Philosophie

NICHTS IST IM VERSTAND

WAS VORHER NICHT IN DEN SINNEN WAR.

- John Locke

Die Lernprozesse des Menschen werden angetrieben durch den kindlichen Erforschungsdrang - je umfangreicher und mehrere Sinne ansprechend eine Erfahrung ist, desto tiefer wird sie verarbeitet und verankert. Je mehr unterschiedliche Erfahrungswerte der heranwachsende Mensch sammelt, desto differenzierter und vielschichtiger kann er sich in seiner Ganzheit [motorisch, kognitiv, seelisch, emotional...] entwickeln. Grundsteine dafür werden in den ersten 3-6 Lebensjahren gelegt. Niemand kann einem Kind das Erfahren abnehmen.

Und wenn aus diesem Kind ein erwachsener Mensch wird, ist dieser immer noch seines eigenen Glückes Schmied, der aktiv an seinem Leben beteiligt ist. Damit will ich nicht sagen, dass man nur mit Schweiß & harter Arbeit belohnt wird, sondern viel mehr, dass jeder sein Leben selbst in der Hand hat und es darauf ankommt, wie wir die Dinge sehen. Dinge, die uns umgeben; Dinge, die wir ändern können und vor allem Dinge, die außerhalb unseres Handlungsbereichs liegen.

 

"Fehlt es am Wind, so greife zum Ruder." [deutsches Sprichwort]

 

Aber zunächst ein Weilchen zurück. In der Auseinandersetzung mit kompensatorischen Wirkungen von gestalterisch-schöpferischen Prozessen wurde mir klar, dass "Kunsttherapie nicht nur Kranken hilft". In jedem bildnerischen Prozess kann das Potential einer heilsamen Begegnung liegen. So wie in jedem Menschen das Potential für eben diese gestalterisch-schöpferischen Prozesse liegt und demnach auch in jedem Menschen ein Künstler steckt. Gemäß dem humanistischen Menschenbild verfügt also jeder über die Fähigkeit zu wachsen.

Der künstlerische Ausdruck kann ein Weg dafür sein.

Dabei geht es hier nicht um 'Kunst' oder das Abbilden von Wirklichkeit, sondern um das prozesshafte Kennenlernen und Verarbeiten der erlebten Welt und das Sichtbarmachen von Bewegungen und damit auch Empfindungen. Um das aktive Gestalten, das eigene Tun mit den eigenen Händen. Um Ausdruck.

"Jedes Kind ist einmalig -

So bunt und vielfältig wie das Leben, so kunterbunt wie die Natur in jeder Jahreszeit,

so facettenreich ist jedes Kind in seiner Entwicklung.

Denn das Kind ist neugierig und hat ein eigenes inneres Bedürfnis,

sich die Welt durch Spielen, Probieren und Experimentieren [...] anzueignen.

Das Kind hat keinen Trichter, indem wir als Erwachsene das Wissen hineinwerfen,

sondern ist 'Akteur in seiner Entwicklung'."

- Jean Piaget, Schweizer Biologe und Entwicklungspsychologe